Jeder zweite Jugendliche unter 25 Jahren arbeitet im Niedriglohnsektor
Auf dem ersten Blick scheint die Arbeitsmarktlage in Deutschland stabil: Laut statistischem Bundesamt liegt Deutschland mit seiner derzeitigen Jugendarbeitslosenquote an drittniedrigster Stelle innerhalb der EU (Stand August 2011). Jedoch warnen Experten vor einer ähnlich dramatischen Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt wie bei unseren europäischen Nachbarn. Die relativ guten Zahlen in Deutschland sind trügerisch. Nahezu jeder zweite Jugendliche unter 25 Jahre arbeitet außerhalb der Ausbildung im Niedriglohnsektor. Darüber hinaus sind junge Menschen in Deutschland stärker von Erwerbslosigkeit bedroht als die Gesamtbevölkerung.
Trotz einer guten Konjunkturprognose sind 36,8 Prozent der erwerbstätigen Jugendlichen laut statistischem Bundesamt “atypisch” beschäftigt. Darunter versteht die Behörde befristete Arbeitsverhältnisse, Teilzeitarbeit bis zu 20 Stunden, geringfügige Beschäftigungsverhältnisse sowie Leiharbeit. Eine Erhebungen der Bundesagentur für Arbeit belegt zudem, dass in Deutschland 715.000 Jugendliche trotz Vollzeitbeschäftigung weniger als zwei Drittel des Durchschnittseinkommens verdienen – Auszubildende bereits ausgenommen.
Darüber hinaus brechen 20 Prozent aller Jugendlichen in Deutschland Ihre Ausbildung vorzeitig ab. Der Grund hierfür ist die fehlende Ausbildungsreife und Berufsqualifikation der Schulabgänger. Viele Jugendliche haben durch eine nichtausreichende Vorbereitung in der Schulzeit eine falsche Vorstellung vom Arbeitsleben oder Schwierigkeiten bei der Umstellung vom Schul-auf den Berufsalltag. Doch insbesondere Jugendliche aus sozialschwachen Familien oder mit Migrationshintergrund sind auf die Unterstützung der Schulen angewiesen.
Wer in jungen Jahren den Anschluss an die Berufswelt verpasst, dem droht in wirtschaftlich schwächeren Zeiten immer wieder der Jobverlust – nicht selten gefolgt von lebenslanger Armut. Arbeitslosigkeit bedeutet eine gravierende Bedrohung der Lebensperspektive. Berufliche Ablehnung, mangelnde Berufserfahrung und eingeschränkte soziale Kontakte geben den Jugendlichen bald das Gefühl von Nutzlosigkeit. Ziel muss es daher sein, insbesondere den benachteiligten Jugendlichen eine zusätzliche Schulbetreuung, eine betriebliche Ausbildung oder eine langfristige Beschäftigung zu ermöglichen. Dazu können Betriebe, öffentliche Institutionen und Schulen einen Beitrag leisten.

