Michael Jungblut warnt: Jugendarbeitslosigkeit bleibt ein Problem

Noch keine Entwarnung

Michael Jungblut - Journalist und Jurymitglied des Förderpreises

Die gute Nachricht zuerst: Wer heute bei Google das Stichwort „Lehrstellenmangel“ eingibt, findet neben einigen Lexikoneinträgen fast nur Artikel, die zwei oder drei Jahre alt sind. Das gleiche gilt, wenn man die Archive der führenden Tageszeitungen durchsucht.  Wer dagegen nach unbesetzten Lehrstellen forscht, wird schnell fündig.

Die schlechte Nachricht: Der Mangel an geeigneten Bewerbern täuscht darüber hinweg, dass die Zahl der Jugendlichen ohne Arbeit und ohne berufliche Zukunft immer noch sehr hoch ist.

Nicht alle sind arbeitslos. Manche von ihnen finden eine Tätigkeit – irgendeine. Doch ohne solide Ausbildung haben sie lebenslang ein überdurchschnittlich hohes Risiko ihren Job zu verlieren und müssen mit einem unterdurchschnittlichen Einkommen rechnen. Das ist nicht nur für die Betroffenen die denkbar schlechteste Lösung. Es ist auch für die Gesellschaft  ein Verlustgeschäft. Nicht nur moralisch: Nach einer aktuellen Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung gehen die Folgekosten einer unzureichenden Ausbildung Jugendlicher in die Milliarden: Geringere Steuereinnahmen und Beiträge einerseits, hohe Sozialleistungen andererseits. Ein Leben ohne Perspektiven endet zudem oft in Alkoholsucht, Drogen und Kriminalität, ebenfalls mit hohen sozialen Kosten.

Der Grund dafür, dass selbst ein so kräftiger wirtschaftlicher Aufschwung, wie wir ihn derzeit erleben, das Problem der Jugendarbeitslosigkeit nicht automatisch beseitigt: Ein „Mismatch“, die fehlende Übereinstimmung zwischen den Anforderungen des Arbeitsmarktes und der Schulbildung, der Motivation oder der Sprachfähigkeit vieler Jugendlicher.

Höhere Investitionen in das Bildungssystem sind dringend nötig. Doch mit Geld allein lässt sich das Problem nicht lösen. Mindestens ebenso wichtig  sind Kreativität, Einsatzbereitschaft und der Mut, bei der Förderung benachteiligter  Jugendlicher neue Wege zu gehen.  Welche Erfolge sich bei Kindern aus Migrantenfamilien oder aus bildungsfernen Schichten, bei Jugendlichen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen erzielen lassen, zeigen die Bildungseinrichtungen, die privaten und öffentlichen Institutionen und die Persönlichkeiten, deren Konzepte und Initiativen in den vergangenen Jahren mit dem Deichmann-Förderpreis gegen Jugendarbeitslosigkeit ausgezeichnet wurden.

So erfreulich die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt ist: Ein wirtschaftlicher Aufschwung dauert nicht ewig. Umso wichtiger ist deshalb, dauerhaft nach Wegen aus der Jugendarbeitslosigkeit zu suchen.

Michael Jungblut