Strukturelle Diskriminierung

Ursachen und Folgen der Schlechterstellung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Wie der Tagesspiegel am 24. März 2011, unter Berufung auf das Handelsblatt berichtete, befinden sich derzeit lediglich 30% der Jugendlichen mit Migrationshintergrund in einer Ausbildung – die Quote ihrer deutschen Altergenossen liegt hingegen in etwa doppelt so hoch. Ungeachtet der guten Konjunkturprognosen scheint der Aufschwung diese Bevölkerungsgruppe somit nicht zu erreichen.

Viele dieser Probleme sind hausgemacht!

Schlechte oder sogar fehlende Schulabschlüsse sind jedoch nur eine Ursache von vielen, denn die prekäre (Aus-)Bildungssituation ist nicht zuletzt ein Erbe der Vergangenheit. In den Jahren des Wirtschaftswunders organisierten staatliche Stellen die Anwerbung ungelernter Arbeiter aus dem Ausland, durch so genannte Staatsverträge. Diese Gastarbeiter leisteten einen erheblichen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg der jungen Bundesrepublik. Dennoch wurde versäumt, ihnen durch Qualifizierungs- und Integrationsmaßnahmen eine langfristige Perspektive zu eröffnen. Die ehemaligen Gastarbeiterfamilien besetzten deshalb die unteren Chargen des Sozialsystems und wurden damit selbst ein Teil der deutschen Unterschicht.

Insofern kann es nicht überraschen, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund denselben Schwierigkeiten ausgesetzt sind, wie ihre deutschen Altersgenossen aus sozial benachteiligten Familien. Insbesondere Jugendliche mit türkischem Migrationshintergrund werden aber zudem mit spezifischen Problemen konfrontiert, die ausschließlich auf diese Bevölkerungsgruppe wirken. Neben den häufig diskutierten sprachlichen und kulturellen Barrieren, sind dies vor allem Formen struktureller Diskriminierung. Wie eine Studie der Universität Konstanz zeigt, sind die Chancen eines Bewerbers mit türkischem Namen deutlich geringer, als die eines vermeintlich deutschen Mitbewerbers, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.

Diese Kombination aus sozialer Benachteiligung und struktureller Diskriminierung bedeutet für die Jugendlichen eine doppelte Belastung. Problematisch ist dieser Befund auch für die Arbeitgeberseite. Er lässt darauf schließen, dass gerade in Zeiten des Fachkräftemangels dringend benötigtes Potenzial ungenutzt bleibt.

Was tun?

Einen Königsweg für die Lösung dieser Dilemmata scheint es nicht zu geben. Die Konstanzer Studie zeigte jedoch, dass die Chancen türkischstämmiger Bewerber deutlich stiegen, wenn ihrer Bewerbung Zeugnisse früherer Arbeitgeber beilagen. Mit Hilfe sozial engagierter Arbeitgeber und ambitionierter Schulprojekte könnten beispielsweise positive Referenzen im Rahmen eines Praktikums erworben werden, um frühzeitig die Weichen für eine erfolgreiche Karriere zu stellen,. so die Autoren der Studie.

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